Was wirklich schützt – Materialwahl, Lüftung, Wärmebrücken

Schimmelprävention in Münchner Altbauwohnungen

Die dringliche Profi-Lösung

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Was tun bei Schimmel in Wohnung?

Warum Münchner Altbauten strukturell anfälliger für Schimmel sind als Neubauten

Wer in München zur Miete wohnt oder eine Eigentumswohnung besitzt, lebt statistisch gesehen sehr wahrscheinlich in einem Gebäude, das vor 1978 gebaut wurde. Laut Mikrozensus des Statistischen Landesamts Bayern stammt über 60 Prozent des Münchner Wohnungsbestands aus der Bauperiode vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Gründerzeithäuser in Schwabing, Haidhausen, Maxvorstadt und Neuhausen-Nymphenburg wurden für eine andere Nutzungsintensität gebaut – und für ein anderes Lüftungsverhalten.

Damals diffundierte Feuchtigkeit durch Kalkputzwände nach außen. Das funktionierte, solange die Oberflächen offen blieben. Das Problem entstand mit der Renovierungswelle der 1980er und 1990er Jahre: Dampfdichte Dispersionsfarben, Styropor-Außendämmung und neue Kunststofffenster wurden kombiniert mit historischer Bausubstanz, die auf Diffusion angewiesen war. Das Ergebnis sehen wir bei AV-Color täglich in der Praxis – Feuchtigkeitsstaus, Kondenswasser in Ecken, Schimmel hinter Möbeln.

Das ist kein Versagen der Bewohner. Es ist das Ergebnis einer falschen Materialentscheidung, oft Jahrzehnte zurückliegend.

Expertentipp vom Malermeister bei AV-Color München: „Wenn wir zu einem Schimmelproblem gerufen werden und die Wand hat in den letzten 15 Jahren Dispersionsfarbe bekommen, ist das in 70 Prozent der Fälle der entscheidende Faktor – nicht das Lüftungsverhalten der Bewohner.”

Profi-Lösung vom Malermeister aus München

Der Materialfehler, der Schimmel programmiert – Dispersionsfarbe im Altbau

Dispersionsfarbe ist die meistverkaufte Innenfarbe in Deutschland. Sie ist günstig, deckend, schnell trocknend – und in vielen Altbausituationen das falsche Material.

Technisch gesprochen: Dispersionsfarben haben einen sd-Wert (wasserdampfäquivalente Luftschichtdicke) von 0,1 bis 1,0 Meter. Kalkfarben liegen bei unter 0,01 Meter, Silikatfarben bei 0,01 bis 0,05 Meter. Das bedeutet: Eine Dispersionsfarbe lässt bis zu 100-mal weniger Wasserdampf durch als Kalkfarbe.

In einem Neubau mit Dampfbremse und Gipskarton ist das kein Problem – das System ist darauf ausgelegt. In einem Altbau mit historischem Kalkputz ist es eine Sperre gegen die natürliche Feuchteregulierung des Mauerwerks.

Was passiert dann konkret:

Die Feuchtigkeit, die früher durch die Wand diffundieren konnte, sammelt sich an der kältesten Stelle des Raums. Das ist physikalisch unvermeidbar – Wasserdampf kondensiert immer dort, wo die Oberfläche den Taupunkt unterschreitet. Raumecken, Fensterlaibungen, die Wandfläche hinter dem Kleiderschrank: Das sind klassische Kältezonen in Münchner Altbauwohnungen, die durch dampfdichte Beschichtungen zu dauerhaften Schimmelzonen werden.

Die richtige Alternative für Münchner Altbauten:
Farbe sd-Wert pH-Wert Schimmelresistenz Untergrund
Dispersionsfarbe 0,1–1,0 m ~7 (neutral) gering universell
Silikatfarbe 0,01–0,05 m >11 (stark alkalisch) hoch mineralisch
Kalkfarbe <0,01 m >12 (sehr alkalisch) sehr hoch Kalkputz
Lehmfarbe <0,01 m ~8 mittel Lehmputz
Silikat- und Kalkfarben verbinden sich durch eine chemische Reaktion (Verkieselung) dauerhaft mit dem mineralischen Untergrund – sie haften nicht nur mechanisch wie Dispersionsfarbe. Das Ergebnis ist eine offene, atmungsaktive Oberfläche, die Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt, ohne dauerhaft nass zu bleiben. Bei AV-Color setzen wir für Altbauwohnungen standardmäßig auf Silikatfarben führender Hersteller wie Keim oder Remmers – Marken, die in der Denkmalpflege und Altbausanierung seit Jahrzehnten gesetzt sind. Die Mehrkosten gegenüber Dispersionsfarbe liegen in einer typischen Münchner Dreizimmerwohnung bei 150 bis 400 Euro – bei deutlich längerer Haltbarkeit und aktivem Schimmelschutz.

Richtig lüften in der Münchner Mietwohnung – die Physik dahinter

Das Thema Lüften wird häufig moralisierend behandelt – als ob Schimmel immer die Schuld des Mieters sei. Die Realität ist differenzierter. Aber richtig lüften kann tatsächlich viel bewirken, wenn man die Physik versteht.

Warum gekippte Fenster das Schimmelproblem verschlimmern:

Ein gekipptes Fenster erzeugt kaum messbaren Luftaustausch – bei Windstille praktisch keinen. Gleichzeitig kühlt die Fensterlaibung durch den permanenten Kältekontakt aus. Das Ergebnis ist eine dauerhaft kalte Laibungsfläche, die zu einem Kondensationspunkt wird. Wer im Winter rund um die Uhr kippt, riskiert genau dort Schimmel, wo er ihn verhindern wollte.

Was funktioniert – Stoßlüften mit Physik-Grundlage:

Kalte Winterluft bei 0 °C enthält bei 90 % relativer Luftfeuchtigkeit etwa 4,1 g Wasser pro m³. Warme Raumluft bei 22 °C und 60 % relativer Luftfeuchtigkeit enthält etwa 11,9 g/m³. Beim Stoßlüften wird feuchte Innenluft gegen trockene Außenluft ausgetauscht – trotz Kältegefühl ist der Trocknungseffekt erheblich.

 

Empfohlenes Lüftungsschema für Münchner Wohnungen:
  • Morgens nach dem Aufstehen: 5–8 Minuten Querlüftung (Fenster gegenüberliegender Räume öffnen)
  • Nach dem Duschen: sofort 10 Minuten, Badtür schließen
  • Nach dem Kochen: Dunstabzugshaube + Küchenfenster 10 Minuten
  • Abends vor dem Schlafen: 5 Minuten, Schlafzimmertür schließen
  • Schlafen: Fenster komplett schließen, morgens dann lüften
Wer ein digitales Hygrometer nutzt (erhältlich für unter 15 Euro, z. B. von Govee oder TFA Dostmann), kann die relative Luftfeuchtigkeit im Blick behalten. Zielwert: 40–60 %. Dauerhaft über 65 % ist das Warnsignal.
Wärmebrücken erkennen und verstehen – die unsichtbare Ursache Was ist eine Wärmebrücke? Laut Deutschem Institut für Normung (DIN 4108-2) ist eine Wärmebrücke ein Bereich in der Gebäudehülle, an dem aufgrund von Geometrie oder Materialien der Wärmedurchgangswiderstand lokal vermindert ist. Die Oberflächentemperatur sinkt – und damit der Taupunkt. In der Praxis: Wenn die Wandoberfläche bei Innentemperaturen von 20 °C und 55 % relativer Luftfeuchtigkeit unter 9,3 °C fällt, kondensiert Wasser. Schimmel wächst ab einer Oberflächen-Luftfeuchtigkeit von etwa 80 %. Typische Wärmebrückenstellen in Münchner Altbauten:
  1. Fensterlaibungen bei Fenstertausch ohne Anpassung der Leibungstiefe Neue Kunststofffenster mit hohem Dämmwert sitzen oft weiter innen als die alten Holzfenster. Die verbleibende Leibungstiefe aus Altputz ist ungedämmt – und damit kalt. Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt hier ausdrücklich eine Laibungsdämmung bei Fenstertausch.
  2. Außenecken (geometrische Wärmebrücken) An Außenecken treffen zwei Außenwände zusammen. Die Wandfläche ist kleiner, die Wärmeabgabe aber addiert sich. Ecken in nordorientierten Räumen sind besonders gefährdet – klassisch in Schlafzimmern von Gründerzeithäusern in Bogenhausen oder Schwabing-West.
  3. Stahlbetonelemente in Ziegelmauerwerk Betonbalken, -stürze und -deckenränder leiten Wärme bis zu 50-mal besser als Ziegel. In Bauten der 1950er bis 1970er Jahre in München (z. B. in Laim, Sendling oder Ramersdorf) sind diese Stellen besonders häufig.
  4. Balkontragplatten (auskragende Betonplatten) Sie verlaufen von innen nach außen und wirken als direkte Wärmebrücke. Besonders in Nachkriegsgebäuden in München, die ohne thermische Trennung gebaut wurden.
Selbst messen: Ein Infrarot-Thermometer (z. B. Bosch EasyTemp) kostet ca. 30–50 Euro und macht Wärmebrücken sichtbar. Stellen, die im Winter mehr als 3 °C kälter sind als der Raumschnitt, verdienen Aufmerksamkeit.

Innendämmung im Altbau – wann sie hilft und wann sie Schimmel erzeugt

Innendämmung klingt nach der logischen Lösung für Kältewände. Sie kann es sein – aber sie ist ein Werkzeug, das falsch eingesetzt mehr schadet als nützt.

Das Problem: Wenn eine Innendämmung den Taupunkt ins Mauerwerk verlagert, entsteht dort Kondensfeuchte. Bei dampfdichten Dämmstoffen (z. B. EPS/Styropor) zwischen Altmauerwerk und Innenraum ist das Risiko hoch.

Was bei Münchner Altbauten funktioniert:

Kapillaraktive Dämmsysteme wie Kalziumsilikatplatten (z. B. Marke Multipor von Ytong oder STO Capatect) nehmen Feuchtigkeit auf, verteilen sie kapillar und geben sie kontrolliert wieder ab. Der Taupunkt liegt weiterhin im Mauerwerk, aber die Feuchtigkeit kann sich nicht ansammeln.

Die Verarbeitung erfordert handwerkliches Fachwissen: Untergrundprüfung, Kleberauftrag ohne Dampfsperre, Oberflächenaufbau mit diffusionsoffener Silikatfarbe. Bei AV-Color führen wir Innendämmungen mit Kalziumsilikatplatten fachgerecht aus – immer nach vorheriger Beurteilung, ob die Maßnahme sinnvoll und bauphysikalisch verträglich ist.

Schimmelprävention beim Einzug: die kritischen ersten 8 Wochen

Frisch sanierte Wohnungen sind feuchter als sie aussehen. Neuer Putz, frische Farbe, frischer Estrich – all das gibt über Wochen Feuchtigkeit ab. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP quantifiziert die Austrocknungszeit von 1 cm Kalkputz auf Vollziegel mit 2–4 Wochen unter normalen Bedingungen.

Wer in eine frisch renovierte Wohnung einzieht und sofort alle Möbel aufstellt, kaum lüftet und mit Kochen und Duschen beginnt, kumuliert Feuchtigkeit auf einem bereits erhöhten Ausgangsniveau.

Konkrete Maßnahmen für die ersten 8 Wochen:

  • Hygrometer aufstellen, täglich kontrollieren
  • Wäsche nicht in der Wohnung trocknen
  • Möbel mit mindestens 5 cm Abstand zu Außenwänden aufstellen
  • Täglich 4x stoßlüften, auch im Winter
  • Keine wasserdampfintensiven Aktivitäten ohne sofortiges Lüften
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Rechtliche Einordnung: Wer haftet bei Schimmel in Münchner Mietwohnungen?

Das ist eine Frage, die uns als Fachbetrieb regelmäßig gestellt wird – von Mietern und Vermietern gleichermaßen. Die rechtliche Beurteilung obliegt natürlich Rechtsanwälten, aber die handwerkliche Grundlage der Ursachenfrage können wir einordnen.

Der Bundesgerichtshof hat in mehreren Urteilen (u. a. BGH VIII ZR 271/17) klargestellt, dass Vermieter verpflichtet sind, die Wohnung in einem schimmelfreien Zustand zu übergeben und zu erhalten – sofern die Schimmelursache baulich ist. Gleichzeitig haben Mieter eine Obliegenheit zum sachgerechten Lüften und Heizen.

Die Beweislast ist in der Praxis oft komplex. Eine professionelle handwerkliche Dokumentation der Ursache – Wärmebrücke, ungeeignete Beschichtung, baulicher Mangel – kann im Streitfall entscheidend sein. Wir stellen bei AV-Color auf Anfrage eine schriftliche Einschätzung aus, die die bauphysikalische Situation des Befalls beschreibt.

Für Hausverwaltungen in München, die regelmäßig Schimmelmeldungen bearbeiten, bieten wir strukturierte Objektbegehungen an – mit Prioritätenbewertung und Dokumentation.

Weiterführende Ressourcen und Quellen

Für alle, die tiefer einsteigen möchten, sind diese Quellen empfehlenswert:

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